Stunden des Zorns

Stunden.des.Zorns

Die Tage rieseln so dahin.

In der Kälte des Augenblicks verkriecht sich jeder in seine Behausung.

Regentropfen, die zu Hagel werden, knarren gegen das Fenster. Himmel grau in grau und verhangen schon am Morgen.

Keine gute Laune.

Keine schlechte.

Die Morgennachrichten im TV fassen zusammen, was uns in der Woche erwartet: Ein Mr. Trump, der seine Lehrer bewaffnen will, um seine Schüler vor Amok zu schützen. Eine Frau Merkel, die ein Heuchelgenie zum Gesundheitsminister krönt. Ein Syrien, das in Schutt und Asche liegt. Die Essener Tafel, die zukünftig Flüchtlingen das Essen verweigern muss, um die eigene Armutsbevölkerung noch ausreichend versorgen zu können. Eine Vergangenheitsfloskel, die zu ebensolcher verkommen ist: Erinnern zum 75. Jahrestag der Geschwister Scholl und all den anderen, die dem Frieden geopfert wurden. Oder war es der Krieg?

Kaum jemand will hören, was damals geschehen ist. Ein jeder fast verbietet sich die Konfrontation mit der Vergangenheit und ja, wir waren ja noch gar nicht geboren. Damals, da waren wir noch gar nicht geplant!

Überlebende möchten nicht erinnert werden, manche hingegen schon. Auch sie berichten dann, was niemand mehr hören mag: Sie erzählen vom Krieg, der Gefangenschaft, dem Hungern und den vielen, vielen Verlusten. Das „Andere“-davon wollen sie nichts gewußt haben oder sie kreisen nur um den eigenen Fokus herum. Da war doch diese Armut, da gab es diese ständigen Bombenangriffe, und dann war da auch noch die Angst vor den Russen… Nein, von Judenverschleppungen und KZ haben wir nichts gewußt! „Nein Opa, ich meine den Massenmord an den Juden, den Holocaust, den Genozid!“ „Ach, das Mädchen ist immer so verpeilt, sagt Mutter und schaut mich kopfschüttelnd an. Die Geschichte ist schon dem Ende geweiht.

Die Tage rieseln so dahin.

In der Kälte des Augenblicks verkriecht sich jeder in seine Behausung.

Regentropfen, die zu Hagel werden, knarren gegen das Fenster. Himmel grau in grau und verhangen schon am Morgen.

Keine gute Laune.

Keine schlechte.

Es gibt jetzt die AfD.

Die Agonie setzt sich fort.

Dieses Nicht-Wissen-Wollen.

Diese gnadenlose Ignoranz.

Und am Mittag schminkt sich die Nacht, noch bevor der Tag zum Abend wird.

Die Sonne scheint, doch im Herzen ruft die Finsterniss.

Sie bleibt.

Zu lange vielleicht.

Ich kämpfe, denke ich und küre mich selbst zur Heldin.

Es ist so verrückt.

Man kann sie nicht erzählen, diese Geschichte, die dem Deutschtum geschuldet ist und am Ende übrig bleibt…

In meinem Herzen, da schminkt sich der Abend und schweigt.